Ist elektrische Fußbodenheizung teurer als Gas?
Sie möchten einen warmen Boden im Bad, in der Küche oder vielleicht im ganzen Wohnzimmer. Dann stellt sich schnell die Frage: elektrische Fußbodenheizung oder doch eine Fußbodenheizung an der Gasheizung? Und vor allem: Was ist günstiger?
Die ehrliche Antwort: Strom ist pro kWh deutlich teurer als Gas, in Deutschland etwa dreimal so teuer. Trotzdem ist die elektrische Fußbodenheizung nicht automatisch die teurere Wahl. Wir rechnen es mit aktuellen Preisen für Deutschland und Österreich durch.
Pro kWh ist Strom teurer
Eine elektrische Fußbodenheizung wandelt den gesamten Strom in Wärme um. Eine kWh Strom ist also eine kWh Wärme. Deutsche Haushalte zahlten im ersten Halbjahr 2026 laut Statistischem Bundesamt im Schnitt 37,97 Cent pro kWh Strom. Rund 0,38 € kostet Sie also eine kWh Wärme.
Gas kostete im gleichen Zeitraum durchschnittlich 11,58 Cent pro kWh. Ein moderner Brennwertkessel macht daraus etwa 90 % nutzbare Wärme. Eine kWh Wärme aus Gas kostet damit rund 0,13 €.
Elektrisch heizen ist pro kWh Wärme also etwa dreimal so teuer. Dass eine Elektroheizung „100 % effizient“ ist, stimmt zwar, gleicht den Preisunterschied aber bei Weitem nicht aus. Auch ein Brennwertkessel verliert nur rund 10 %.
In Österreich ist der Abstand etwas kleiner. Haushalte zahlen 2026 je nach Bundesland und Tarif meist 28 bis 34 Cent pro kWh Strom und etwa 12 bis 15 Cent pro kWh Gas. Damit ist Strom dort etwa doppelt so teuer.
Warum elektrisch trotzdem oft die bessere Wahl ist
Was Sie pro kWh zahlen, ist etwas anderes als das, was am Ende des Jahres unter dem Strich steht. Drei Dinge machen den Unterschied.
Einfacher Einbau
Eine wassergeführte Fußbodenheizung braucht Leitungen zum Kessel, einen Heizkreisverteiler, oft eine Pumpe oder Regelstation und einen Installateur. Meist muss der Estrich raus oder eingefräst werden. Eine elektrische Fußbodenheizung ist eine Heizmatte von wenigen Millimetern, die direkt unter den Fliesen liegt und an den Strom angeschlossen wird. Kein Rohrleitungsbau, kein Stemmen. Viele verlegen sie selbst, mit unserer Anleitung zum Selbstverlegen. Den elektrischen Anschluss übernimmt eine Elektrofachkraft.
Keine Wartung
Eine Gastherme sollte jährlich gewartet werden, das kostet meist 100 bis 200 € im Jahr. In Deutschland kommt die regelmäßige Überprüfung durch den Schornsteinfeger dazu, in Österreich je nach Bundesland eine vorgeschriebene Thermenwartung. Eine elektrische Fußbodenheizung braucht nichts davon. Keine beweglichen Teile, kein Wasser, keine Lecks.
Sie heizen nur, wo und wann Sie wollen
Das ist vielleicht der größte Unterschied. Möchten Sie morgens einen warmen Badboden, heizen Sie mit Strom nur diesen einen Boden. Weil die Heizung schnell reagiert, schalten Sie sie erst kurz vor dem Aufstehen ein. Mit einem WLAN-Thermostat legen Sie dafür einen Zeitplan fest. So zahlen Sie nur für Wärme, die Sie auch nutzen.
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Was ist günstiger: Gas oder Strom?
Wir haben drei Situationen für die Heizperiode von Oktober bis April (212 Tage) durchgerechnet, mit Volllaststunden und den deutschen Durchschnittspreisen von 0,38 € pro kWh Strom und 0,116 € pro kWh Gas (Brennwertkessel, 90 % Wirkungsgrad).
| Situation | Strom pro Jahr | Gas pro Jahr | Unterschied |
|---|---|---|---|
| Bad 5 m², 150 W/m², 2 Stunden täglich | 121 € | 41 € | 80 € |
| Küche 15 m² als Zusatzheizung, 100 W/m², 3 Stunden täglich | 363 € | 123 € | 240 € |
| Wohnzimmer 30 m² als Hauptheizung, 100 W/m², 6 Stunden täglich | 1.450 € | 491 € | 959 € |
Rechenbeispiel ohne Grundpreise. In Österreich (Strom 0,30 €, Gas 0,13 € pro kWh) beträgt der Unterschied im Bad etwa 49 €, in der Küche etwa 148 € und im Wohnzimmer etwa 594 € pro Jahr.
Im Badezimmer zahlen Sie mit Strom etwa 80 € pro Jahr mehr. Verteilt auf die Heizperiode sind das gut 11 € im Monat. Dafür legen Sie keine Leitungen zum Kessel und sparen sich die Wartung des Heizkreises. Im Bad ist elektrisch deshalb oft die klügste Wahl.
In der Küche steigt der Unterschied auf rund 240 € pro Jahr. Das ist spürbar, aber mit Zeitprogramm und Dämmung lässt es sich deutlich drücken. Beim großen Wohnzimmer wird es eine andere Geschichte.
Bonus: kein Gasanschluss, kein Grundpreis
Planen Sie ein Haus oder eine Wohnung ganz ohne Gas? Dann entfallen auch der Grundpreis und die Zählermiete für Gas, schnell 100 bis 200 € im Jahr. Das verschiebt die Rechnung zugunsten von Strom, vor allem bei kleinen Flächen.
Aber: Für das ganze Haus gewinnt nicht der Strom
Wollen Sie große Flächen oder das ganze Haus elektrisch beheizen, laufen die Kosten schnell auf. Im Wohnzimmer-Beispiel zahlen Sie in Deutschland fast 1.000 € im Jahr mehr als mit Gas. Ist das Haus schlecht gedämmt, wird es noch mehr.
Für das ganze Haus ist eine Wärmepumpe mit wassergeführter Fußbodenheizung meist die sparsamste Lösung. Sie macht aus einer kWh Strom etwa drei bis vier kWh Wärme. Dafür ist die Investition deutlich höher.
Und beim Klima gilt: Der deutsche Strommix enthält noch einen nennenswerten Anteil Kohle und Gas. Mit einem normalen Stromtarif ist direktes elektrisches Heizen deshalb nicht automatisch klimafreundlicher als ein Brennwertkessel. In Österreich mit seinem hohen Anteil an Wasserkraft sieht das deutlich besser aus.
Wann ist Strom günstiger als Gas?
Mit einem normalen Stromtarif ist eine kWh Wärme aus Strom immer teurer. Es gibt aber Situationen, in denen sich das umkehrt.
Mit einem dynamischen Stromtarif
Seit 2025 müssen alle Stromanbieter in Deutschland einen dynamischen Tarif anbieten, Voraussetzung ist ein Smart Meter. Auch in Österreich gibt es solche Tarife. Dabei ändert sich der Energiepreis stündlich mit dem Börsenpreis. Bei viel Wind und Sonne sinkt er, manchmal bis auf null oder darunter. Beachten Sie aber: Netzentgelte, Steuern und Abgaben bleiben gleich. Der Gesamtpreis fällt deshalb nur in sehr günstigen Stunden unter die rund 0,13 € pro kWh (Österreich: rund 0,14 €), ab denen Strom günstiger heizt als Gas. Der Abstand wird in diesen Stunden aber deutlich kleiner.
Praktisch: Ein Boden in Fliesenkleber oder Ausgleichsmasse speichert die Wärme eine Weile. Heizen Sie in den günstigen Stunden, haben Sie danach noch etwas davon. Im Hochwinter gibt es solche Stunden allerdings seltener.
Mit eigenem Solarstrom
Nutzen Sie Strom vom eigenen Dach direkt, kostet er Sie nur die entgangene Einspeisevergütung. Die liegt für neue kleine Anlagen in Deutschland deutlich unter 10 Cent pro kWh, in Österreich meist ebenfalls weit unter dem Bezugspreis. Eigenverbrauch lohnt sich also.
Ehrlich gesagt: Im Winter liefert eine Solaranlage wenig. Das funktioniert vor allem in der Übergangszeit, tagsüber.
Wenn Gas teurer wird
Auf Erdgas fällt in Deutschland und Österreich ein CO2-Preis an, der in den letzten Jahren gestiegen ist. Mit dem europäischen Emissionshandel für Gebäude dürfte Gas zum Heizen weiter teurer werden. Der Abstand zu Strom wird dadurch eher kleiner.
So bleibt Ihre elektrische Fußbodenheizung sparsam
Entscheiden Sie sich für Strom, können Sie den Verbrauch selbst niedrig halten. Beginnen Sie mit Dämmung unter der Heizung. Ohne Dämmung geht ein Teil der Wärme in den Untergrund. Mit Dämmplatten geht die Wärme nach oben, genau dorthin, wo Sie sie haben wollen. Mehr dazu in Dämmung unter elektrischer Fußbodenheizung: nötig oder nicht?
Wählen Sie außerdem eine Leistung, die zum Raum passt. In einem gut gedämmten Raum reicht oft ein Set mit 100 Watt pro m². Für ein Bad oder einen Fliesenboden, der schnell warm sein soll, wählen Sie eher die Pro-Series mit 150 Watt pro m². Und nein, eine höhere Leistung bedeutet nicht automatisch eine höhere Rechnung: Der Boden ist schneller warm, also schaltet das Thermostat auch schneller wieder ab.
Stellen Sie die Temperatur schließlich nicht höher als nötig ein. Welche Werte sinnvoll sind, lesen Sie in Ideale Temperatur für die Fußbodenheizung im Bad. Alle Sets finden Sie unter Komplett-Sets.
Fazit
Schauen Sie nur auf den Preis pro kWh, ist eine elektrische Fußbodenheizung teurer als Gas, in Deutschland sogar deutlich. Das ändert sich, sobald Sie Einbau, Wartung und Nutzung mitrechnen. Beheizen Sie einen einzelnen Raum wie Bad, WC oder Küche, sind die Mehrkosten im Betrieb überschaubar und Sie sparen beim Einbau und bei der Wartung. Dann ist Strom oft die klügste Wahl, besonders mit Zeitprogramm, dynamischem Tarif oder eigenem Solarstrom.
Wollen Sie das ganze Haus beheizen? Dann ist Gas im Betrieb günstiger und eine Wärmepumpe noch günstiger.
Kurz gesagt: Strom ist pro kWh teurer, aber nicht unbedingt unter dem Strich. Es kommt darauf an, wo und wie Sie heizen. Noch unsicher? Kontaktieren Sie uns, wir beraten Sie gern.